Die Legende vom “Edersee”

Das Land leidet unter Trockenheit und die Krämerseelen von der Edertalsperre inszenieren im Chor mit konzeptionslosen Kommunalpolitikern aller Parteien ihr alljährliches Gejammer, weil sich ihre auf die Existenz eines Sees spekulierenden Geschäftsmodelle wieder einmal als realititätsfremdes Wunschdenken entpuppten.

Die Edertalsperre wurde nicht als Badesee, Umsatzgarantie für Tretbootverleiher, Wasserskispielplatz oder Revier für Ausflugsdampfer und Hobbykapitäne angelegt, sondern einzig und alleine als Regulativ für die Wasserstände von Fulda und Weser.

Selbst die Stromerzeugung war bei all ihrem Umfang stets nur ein Nebenprodukt.

Wer also an der Talsperre ein Unternehmen gründete, dessen Wirtschaftlichkeit von der Existenz eines Sees abhängt, handelte fahrlässig gegen besseres Wissen.

Die Gemeinden, wo teure touristische Infrastrukturmaßnahmen auf der gleichen Annahme gegründet wurden, müssen sich den selben Vorwurf gefallen lassen.

Die Talsperre besitzt ihre größte Anziehungskraft nachweislich während der spektakulären Extremzustände Überlauf und Niedrigwasser. An dieser Realität sollten sich kreative Touristikkonzepte orientieren. Alles andere ist Geldverschwendung.

Auch die Qualität der möglichen Arbeitsplätze sollte bei der Bewertung der Situation nicht vernachlässigt werden.

"Seetourismus" schafft hauptsächlich Saisonarbeitsplätze im Niedriglohnsegment. Die Erhaltung der Schwerlastschifffahrt auf der Oberweser dagegen sichert ganzjährige Arbeitsplätze für gut bezahlte Fachkräfte in der Metallindustrie.

Wer die Tourismusindustrie im Landkreis nachhaltig fördern will, tut besser daran, sich für eine Anbindung des Nationalparks an das bundesweite Schienennetz stark zu machen, denn die Attraktivität dieses Kleinods unserer Region ist unabhängig von Wasserständen.

Die erst vor kurzer Zeit in einer lokalen Zeitung abgedruckte Aussage eines regionalen Touristikmanagers verwies ja ebenso darauf, dass die Mehrzahl der Gäste nicht wegen des Sees, sondern wegen der umliegenden Naturlandschaften anreist.

Den Kommunalpolitikern kann man also nur raten, lieber auf Tourismusprofis zu hören, statt sich für die Sicherung der Rendite jammernder, fehlgeleiteter Kleingewerbetreibender zu engagieren. Dann gehts mit unserer Region auch wieder bergauf.

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Proud member of Hillbilly's on Linux, promoting open source redneckism in remote parts of the Milky Way.
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