Teure Sollbruchstellen

Im Normalfall sind Computer jene Kisten, die unter oder neben dem Schreibtisch mehr oder weniger leise vor sich hin schnurren und ihren Dienst versehen.

Bis dann die Materialermüdung zuschlägt.

Computer enthalten Lüfter. Diese kühlen alles, was beim Betrieb Hitze entwickelt und unter zu hohen Temperaturen leiden könnte.

Geht ein solcher Lüfter kaputt, muss er getauscht werden, denn sonst stirbt das gekühlte Bauteil einen schnellen Hitzetod.

Alles einfach, denkt sich der Bastler und marschiert, bewaffnet mit der Teilenummer, zum nächsten Elektronikhändler.

Dort muss er dann feststellen, dass zum Lüfter meist auch eine Menge Ballast gehört, der oftmals teurer ist als der Lüfter selbst.

Beispiel 1 – Netzteil-Lüfter

Netzteil-Lüfter sind meistens relativ simple Teile, die als Einzelteil irgendwo zwischen 6,95 und 10 Euro kosten, wären sie nicht unzertrennlich mit dem Netzteil verbunden.

Das Verdikt "Netzteil-Lüfter kaputt" bedeutet also den Kauf eines neuen Netzteiles. Statt 6,95 Euro werden demnach mindestens 45 Euro fällig.

Das alte Netzteil landet dann im Sondermüll, denn es ist nicht wiederaufbereitbar. Wäre es das, wären die Lüfter nämlich auch einzeln austauschbar. Das genau aber wollen die Hersteller nicht.

Also wird die gesamte, teure Baugruppe weggeworfen, die ihre eigentliche Aufgabe, nämlich die Bereitstellung der verschiedenen innerhalb des Computers benötigten Betriebsspannungen und Stromarten, immer noch erfüllen könnte.

Böse Zungen würden wohl sagen, der Lüfter sei die Sollbruchstelle, die Netzteil-Hersteller einbauen, um zu sichern, dass ihre Produkte nach einer Zeit getauscht werden müssen, die deutlich unter der Lebensdauer der Bauteile liegt, welche die eigentliche Aufgabe der Baugruppe erfüllen.

Beispiel 2 – CPU Lüfter

CPU Lüfter sind spindeldürre Teile, die auf die Kühlrippen des Zentralprozessors aufgesetzt sind.

So wäre der Idealfall.

Die Realität sieht eher anders aus. Die Aluminium-Kühlrippen sind Teil des Lüfterpaketes und man muss sie kaufen, ob man will oder nicht.

Preisunterschied? Lüfter alleine ca. 7 Euro, Zwangspaket mit Kühlrippen mindestens 40 Euro.

Wohlgemerkt: Der Lüfter selbst ist mit vier Kreuzschlitzschrauben auf den Kühlrippen befestigt, wäre also einzeln austauschbar, wenn die Industrie das wollte.

Aluminium ist das Metall mit dem energieintensivsten Verhüttungsverfahren und kann zudem nur in ineffizienten Lichtbogenöfen erzeugt werden, die Unmengen an Elektrizität verplempern.

Wir könnten also weltweit jede Menge Strom und Geld sparen, wenn nicht jeder CPU Lüfter zwangsweise mit Kühlrippen geliefert würde.

Lasset alle Hoffnung fahren

Beim Thema Energieeffizienz steckt der Teufel im Detail, das unsere Politiker gerne übersehen. Gesetzliche Schranken für das bei Prozessingenieuren so tief verankerte, verschwenderische "Baugruppen-Denken" werden also wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen.

So lange gehen Verschwendung und Abzocke weiter.

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About dozykraut

Proud member of Hillbilly's on Linux, promoting open source redneckism in remote parts of the Milky Way.
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