Das Kartell der Meinungsformer

Die Meinung des Volkes wird in der Provinz geformt. Dort wo die Aasfresser des Zeitungssterbens seit Jahrzehnten ihre Meinungsmonopole zementieren. Kleine marode Provinzzeitungen wurden für Taschengeld aufgekauft und unter ihrem alten Titel als Filialen überregionaler Imperien weiterbetrieben.

Auf unserer Heimatpostille steht zwar immer noch Frankenberger Allgemeine drauf, doch unter der Haube tickt die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine (HNA), mit straffer Hand aus Kassel geführt.

Zwischen dem mittlerweile hauptsächlich von nebenberuflichen Hilfskräften mit Digitalkameras zusammengetragenen Lokalteil und einem unverhältnissmäßig umfangreichen Block mit lokalen Sportnachrichten ist ein Politiksegment eingezwängt, wo auf meistens nicht mehr als fünf Seiten dem Volk das serviert wird, was dem Herausgeber als ausreichende Information für den Bürger erscheint. Es wird also gnadenlos selektiert und dadurch auch zensiert.

Aktuell wurde die tendenziöse Selektion wieder einmal deutlich durch das vollkommene Verschweigen eines politischen Skandals erster Ordnung.

Kader Arif, Berichterstatter des europäischen Parlamentes für das Vertragswerk ACTA, hat hingeschmissen und seinen Rücktritt mit für einen Karrierebeamten ungewöhnlicher Direktheit begründet. [ Französischer Originaltext und englische Übersetzung ]

Wer der Diskussion im Netz gefolgt war, wusste bereits um die unsäglichen Manipulationen, deren sich die Befürworter dieses Vertragswerkes während seiner Erarbeitung bedient hatten. Dank Herrn Arif wissen wir jetzt auch, dass die gleichen miesen Methoden hinter den Kulissen des europäischen Parlamentes zum Einsatz kamen.

Im europäischen Parlament wird also gegen das europäische Volk gemauschelt und unserer Zeitung ist dies noch nicht einmal eine Notiz unter “Vermischtes” wert.

Angesichts dieses Schutzwalles aus Zensur ist es daher auch nicht weiter verwunderlich, wenn Abgeordnete des Europaparlamentes sich taub stellen gegenüber mahnenden oder kritischen Stellungnahmen aus den Reihen des Wahlvolkes. Sie können schließlich sicher sein, dass die Medienpatriarchen ihres Wahlbezirkes die schützende Hand über sie halten und jegliche Kritik aus dem Volk einfach in der Ablage P der Leserbriefredaktion verschwinden lassen.

Volkes Meinung ist nur dann gefragt, wenn sie sich mit den Ansichten des Herausgebers und seiner politischen Spielkameraden deckt.

Eine gute Zusammenfassung der ACTA Thematik gibt dieser Artikel des Fachanwaltes Thomas Stadler in seinem “Internet Law” blog:

Warum das Europaparlament ACTA die Zustimmung verweigern sollte.

Wer es etwas zugänglicher mag, sollte den Beitrag von Markus Beckedahl im Spiegel lesen:

Warum ACTA in den Papierkorb gehört

Die Abstimmung über ACTA findet sehr wahrscheinlich im Juni statt. Bis dahin ist also noch Zeit die Wand der Verleugnung und den Schutzwall der Zensur zu durchbrechen. Zeigen Sie ihrem MdEP, dass sich niemand vor dem Internet verstecken kann, egal wie gut seine Beziehungen zu den Medienzaren sind.

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